Freitag, 25. Dezember 2009

Rosa Säckchen


Eine kleine Geschichte:

Als ich eines Tages, wie immer traurig, durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank nieder ließ, um über alles nachzudenken was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein fröhliches kleines Mädchen zu mir. Sie spürte meine Stimmung und fragte: „Warum bist Du traurig?“ „Ach“, sagte ich „ich habe keine Freude im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll.“
„Hmmm“, meinte das Mädchen, „wo hast Du denn Dein rosa Säckchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal hineinschauen.“ „Was für ein rosa Säckchen?“ fragte ich sie verwundert, „ich habe nur ein schwarzes Säckchen.“ Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnete sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Säckchen hinein. Ich bemerkte, wie sie erschrak: „Es ist ja voller Albträume, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse!“ „Was soll ich machen? Es ist eben so. Daran kann ich doch nichts ändern.“
„Hier nimm“, meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Säckchen. „Sieh hinein!“ Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das rosa Säckchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung war an Menschenjahren. „Wo ist Dein schwarzes Säckchen?“ frage ich neugierig. „Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum“, sagte sie. „Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Säckchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich so viel wie möglich hinein. Und immer, wenn ich Lust dazu habe oder beginne traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Säckchen und schaue hinein. Dann geht es mir sofort wieder besser. Wenn ich einmal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein rosa Säckchen. Es wird voll sein bis oben hin und ich kann sagen, ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!“
Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden. Neben mir auf der Bank lag ein rosa Säckchen mit der Aufschrift: Für Dich! Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf der Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz. Glücklich machte ich mich auf den Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Säckchens zu entledigen.

Es wäre schön, wenn wir alle so ein rosa Säckchen hätten und das schwarze immer wegwerfen könnten. Ich habe sehr viele nette Rückmeldungen zu der Geschichte bekommen . Jeder neigt dazu, vieles in das schwarze Säckchen zu stecken. Es regelmäßig wegzuwerfen und sein rosa Säckchen hervorzuholen tut uns allen gut.

Ich wünsche Euch noch schöne Weihnachtsfeiertage

liebe Grüße Waltraud

Kommentare:

  1. Ich finde die Geschichte wunderschön!!! :)

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  2. Ich habe die Geschichte benutzt und dazu rosa Säckchen ausgeteilt :) Alle fanden die Geschichte wunderschön und waren begeistert. Ich habe nur lauter positive Feedbacks dazu bekommen :)

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