Mittwoch, 24. März 2010

Eine kleine Geschichte.

Ich werde erst in den nächsten Tagen dazu kommen ein neues Rätsel hier einzustellen. Ich habe aber eine schöne Geschichte gefunden, die zum Nachdenken anregt.

Das Geschenk

Zwei Herren, beide ernsthaft erkrankt, belegten dasselbe Krankenzimmer.

Einer der Herren hatte die Erlaubnis, sich jeden Nachmittag für eine Stunde
aufzusetzen, damit die Flüssigkeit aus seiner Lunge abfließen konnte. Sein
Bett stand am einzigen Fenster des Raumes.

Der andere Herr musste die ganze Zeit flach auf dem Rücken liegen.
Letztendlich unterhielten sich die beiden Männer stundenlang. Sie sprachen
von ihren Frauen und Familien, ihrer Heimat, ihren Jobs, ihrem Militärdienst
und wo sie im Urlaub waren.

Jeden Nachmittag, wenn der Herr im Bett am Fenster sich aufrecht hinsetzte,
ließ er die Zeit vergehen, indem er seinem Zimmernachbarn all die Dinge
beschrieb, die er draußen am Fenster sah.

Der Herr im anderen Bett begann aufzuleben in jeder dieser Stunden, wo seine
Welt erweitert und belebt wurde durch all die Geschehnisse und Farben der
Welt dort draußen.

Das Fenster überblickte einen Park mit einem schnuckligen See. Enten und
Schwäne spielten auf dem Wasser während Kinder ihre Modellboote segeln
ließen. Junge Verliebte bummelten Arm in Arm durch die unzählig bunten
Blumen und eine schöne Aussicht auf die Silhouette der Stadt lag am
Horizont.

Wenn der Herr am Fenster all dies beschrieb mit allen kleinsten Details,
schloss der Herr auf der anderen Seite im Raum die Augen und stellte sich
die bildhaften Szenen vor.

An einem warmen Nachmittag beschrieb der Mann am Fenster eine
Vorüberziehende Parade. Obwohl der andere Herr die Kapelle nicht hören
konnte, konnte er sie vor seinem geistigen Auge sehen, während der Herr am
Fenster sie mit anschaulichen Worten beschrieb.

Tage, Wochen und Monate vergingen.


Eines Morgens, die Tagschwester kam um Wasser für das Bad zu bringen, fand
sie den leblosen Körper des Herrn am Fenster, der friedvoll in seinem Schlaf
verstorben ist.

Sie war traurig und rief die Bediensteten, um die Leiche wegbringen zu
lassen.

Nach einer angemessenen Weile fragte der andere Herr, ob man ihn ans Fenster
verlegen könnte. Die Schwester war erfreut über den Tausch und nachdem sie
sich vergewisserte, dass er sich wohlfühlt, ließ sie ihn allein.

Langsam, schmerzvoll stützte er sich auf einen Ellenbogen um seinen ersten
Blick auf die echte Welt draußen zu richten. Er strengte sich an, sich
langsam zu drehen um aus dem Fenster am Bett zu gucken. Es zeigte auf eine
leere Wand.

Der Mann fragte die Schwester, was seinen verstorbenen Zimmernachbarn
veranlasst hatte, ihm so wundervolle Dinge von draußen vor dem Fenster zu
erzählen.

Die Schwester erwiderte, dass der Herr blind war und nicht einmal die Wand
sehen konnte.

Sie sagte "Vielleicht wollte er Sie nur aufmuntern."

Epilogue:

Es ist eine riesige Freude, andere glücklich zu machen, ungeachtet unserer
eigenen Situation.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, doch Freude, wenn geteilt, ist doppelte
Freude.

Wenn Du Dich reich fühlen möchtest, zähle all die Dinge, die man für Geld
nicht kaufen kann.

"Heute" ist ein Geschenk, deshalb nennt man es "the präsent". Das Geschenk

Die Herkunft dieser Geschichte ist unbekannt.

Mache Dir heute einen schönen Tag, das Wetter lädt dazu ein, in die Natur hinauszugehen und die warmen Sonnenstrahlen zu geniesen.

Alles Liebe Waltraud

Kommentare:

  1. Liebe Waltraud,
    Ich freue mich, dass Du mir diese Geschichte in Erinnerung gebracht hast. Ich habe sie vor ca. 3 Jahren in meiner Seeleninsel auch abgedruckt und dann total vergessen! Umso mehr freut es mich, sie wiedergefunden zu haben bei Dir. Es ist eine sehr anrührende Geschichte. Und man kann ganz viel aus ihr lernen.
    Eben auch die Dinge, die du unter der Geschichte aufgezählt hast.

    Es ist oft nicht schwer, einem Menschen eine kleine Freude zu machen, wenn man es nur will!

    Als ich jetzt im Kranknhaus war für einen Tag und eine Nacht, legte man mich zu einer jungen Frau, die einen Gehirnschlag erlitten hatte. Sie hat die Sprache und das Schreiben verloren. Kann sich also nicht mehr mitteilen. Jeden Tag, hörte ich, kam der Logopäde zu ihr und übte die einfachsten Sachen, wie die Selbstlaute, Mitlaute, Wochentage, Zahlen usw. Es ging ganz mühsam und kaum verständlich.
    Ich war ja nur eine Nacht und einen Tag bei ihr. Aber ich versuchte, mich in sie hinein zu denken (da meine Mutti das selbe Schicksal erlitten hatte vor vielen Jahren).
    Ich übte mit Ihr, versuchte ihre Gesten zu verstehen, wenn sie was sagen wollte. Ab und zu gelang es mir und ein Leuchten kam aus ihren Augen. Ich weiß, wenn ich noch länger hätte bleiben müssen, ich hätte einiges bewirken können!
    Die Frau, die vor ihr da war, hatte sich mit Knopf im Ohr und Musik abgeschottet von ihr, erzählte mir eine Schwester. Sie muss sich elend gefühlt haben.

    Als ich ging, lieen Tränen über ihre Wangen und ich drückte sie von Herzen und wünschte ihr alles Gute und sagte, dass sie Geduld bräuchte -es würde alles wiederkommen - es dauert halt (Das wusste ich auch durch meine Mutti, sie hatte nach einem Jahr mühsam nochmals alles erlernt).

    Ich weiß, dass ich dieser Frau einen kleinen Strohhalm gereicht habe. Es war nicht viel, aber ich hoffe, es hat ihr ein bisserl geholfen!

    Alles Liebe

    Renate

    AntwortenLöschen
  2. Guten Abend Renate,

    ich habe jetzt schon wiederholt festgestellt, dass wir beide ähnliche Geschichten kennen und mögen. Es tut gut anderen eine Freude zu machen und es kommt oft so viel zurück. Ich danke dir für deinen lieben Kommentar.

    Herzliche Grüße Waltraud

    AntwortenLöschen